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Der '''Wehrdienst''', auch '''Militärdienst''' und veraltet oder aber tatsächlich auf den Kriegsfall bezogen '''Kriegsdienst''', ist die Ausübung des Dienstes in den Streitkräften eines Staates. Er wird aufgrund einer gesetzlichen Wehrpflicht oder einer freiwilligen Verpflichtung (öffentlich rechtliche Verpflichtung oder Vertrag) geleistet.

Grundlegendes zum Militärdienst

Die ''gesetzliche Verpflichtung zum Wehrdienst'' (Wehrpflicht) kann umfassen
  • im Frieden:
    • die Ableistung eines längere Zeit dauernden Wehrdienstes (Grundwehrdienst ( WPflG) / Präsenzdienst / Rekrutenschule),
    • die Ableistung von kurzdauernden Übungen (Pflichtwehrübungen / Fortbildungsdienste der Truppe);
  • im Spannungsfall oder Verteidigungsfall:
    • den unbefristeten Wehrdienst.

Die Wehrpflicht wurde und wird unabhängig von einer totalitären oder demokratischen Staatsform weltweit praktiziert.
In vielen Staaten ist die Ableistung eines Wehrersatzdienstes oder eines Zivildienstes an Stelle des Grundwehrdienstes möglich.

Eine ''freiwillige Verpflichtung'' ist möglich als
 schloss ursprünglich jede Zwangsverpflichtung aus und wurde erst mit Aufbau der Bundeswehr um die Ausnahmen zur Wehrpflicht und Landesverteidigung geändert.

Deutschland

Preußen

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<div style="padding:5px; border:1px; border-style:solid;">'''Dauer der Wehrpflicht in Preußen''' (in Lebensjahren)
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Zu den Reformen, die Preußen unter dem Eindruck der Niederlage im Krieg gegen Frankreich 1807 durchführte. Das Krümpersystem von Gerhard von Scharnhorst versuchte das durch den Frieden von Tilsit auferlegte Grenze von 42.000 Soldaten hinauszugehen; das Verbot für die Aufstellung einer Miliz und von Reserveeinrichtungen wurde ebenfalls eingehalten. Am Ende der Befreiungskriege in den Jahren 1813/14 war die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht durch das Gesetz über die Verpflichtung zum Kriegsdienst vom 3. September 1814 fester Bestandteil. Damit war eine grundsätzliche Aufwertung des Soldatenstandes verbunden, denn bis dahin hatten gemeine Soldaten als gesellschaftlich deklassiert gegolten. Der Militärdienst, zu dem auch die Söhne des Adels und des Bürgertums eingezogen wurden, galt nun als Ehrendienst und die Armee als ?Schule der Nation?. Wehrpflichtige aus den ?gebildeten Ständen? konnten sich als ?Einjährig-Freiwillige? melden und hatten nach diesem Jahr die Aussicht, sich zum Reserveoffizier weiterbilden können (was mit viel gesellschaftlichem Prestige verbunden war).
Unter allen größeren europäischen Staaten hatte nur Preußen nach den Napoleonischen Kriegen sein System der allgemeinen Wehrpflicht beibehalten und trotz des Heereskonflikts Anfang der 1860er Jahre modernisiert.

In den anderen deutschen und den meisten europäischen Staaten wurde unter den tauglich Gemusterten die erforderliche Anzahl von Rekruten durch das Los bestimmt. Der Ausgeloste konnte aber einen von ihm bezahlten Ersatzmann als ?Einsteher? stellen, weshalb in diesen Armeen eher Männer aus ärmeren Schichten dienten. War ihre Dienstzeit abgelaufen, rückten sie für einen anderen Wehrpflichtigen erneut als Einsteher an dessen Stelle, so dass die Armeen, wie auch die Frankreichs, faktisch aus Berufssoldaten bestanden. Andere deutsche Staaten zogen nur einen Teil der Wehrpflichtigen für eine sehr lange Dienstzeit ein, darunter Österreich, ungeachtet zahlreicher Sonderbestimmungen, für 14?Jahre.

Nachdem das preußische Wehrpflichtsystem seine Effizienz in den Kriegen mit wird ihnen das Ersatz der freiwillige einjährige Dienst in "Jäger- und Schützenkorps" gestattet. Sie müssen sich selbst einkleiden und bewaffnen. Die Landwehr ersten Aufgebots dient im Frieden in der Heimat, im Krieg ist sie sowohl im In- wie im Ausland zur Unterstützung des Stehenden Heers berufen. Ihre Mannschaften setzen sich aus Wehrpflichtigen (20 ? 25 Jahren), Jäger- und Schützenbataillone (Einjährig-Freiwillige), und Mannschaften (26 ? 32 Jahren) zusammen. Aus den Männern, die aus der Landwehr ersten Aufgebots austreten, werden automatisch bis zum 39. Geburtstag in der Landwehr zweiten Aufgebots aufgenommen, die in Garnisonen oder Garnison-Bataillonen dient. Jünglingen von 17 bis 20 Jahre ist die Teilnahme an den Übungen der Landwehr zweiten Aufgebots gestattet. Die Landwehr im Allgemeinen ist eine ortsansässige Armee. Wenn ein Bürger in einen anderen Ort zieht, so tritt er damit automatisch die die Landwehrabteilung des neuen Wohnsitzes über. Der Landsturm tritt nur im Krieg, in der Heimat und nur auf Befehl des Königs dem Feind entgegen. Ansonsten ist er für die Unterstützung der öffentlichen Ordnung vorgesehen. Er besteht aus Jünglingen ab 17 Jahren, aus allen Männern, die aus der Landwehr ausgetreten sind, und aus Männern, die weder zum stehenden Heer noch zu Landwehr gehören und das 50. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Der Landsturm teilt sich in "Bürger-Compagnien in den großen Städten" und "Land-Compagnien nach Maßgabe der innern Kreiseintheilung".

Norddeutscher Bund

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<div style="padding:5px; border:1px; border-style:solid;">'''Dauer der Wehrpflicht im Norddeutschen Bund''' (in Lebensjahren)
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In der Verfassung des Norddeutschen Bundes vom 16. April 1867 wurde im Artikel 57 festgelegt, dass "jeder Norddeutsche ist wehrpflichtig und kann sich in Ausübung dieser Pflicht nicht vertreten lassen" kann. Im Artikel 59 wird der Wehrdienst wie folgt ausgearbeitet: Diese Regelung bleibt auch in dem Deutschen Kaiserreich bestehen.

Deutsches Kaiserreich

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<div style="padding:5px; border:1px; border-style:solid;">'''Dauer der Wehrpflicht im Deutschen Kaiserreich''' (in Lebensjahren)
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Die allgemeine Wehrpflicht wurde durch die II. Mannschaften, die freiwillig vor dem vollendeten 20. Lebensjahr eingetreten sind, treten entsprechend früher aus der Landwehr II aus. Bei späteren Eintritt in das aktive Heer die durch folgende Gründe verursacht werden:
  • bei noch mangelnder Körperentwickelung
  • auf Ansuchen in Berücksichtigung bürgerlicher Verhältnisse
  • Zurückstellung bis zu 5 Jahren, um einen Beruf nicht zu unterbrechen

dient der Mann nicht länger in der Landwehr II, sondern auch nur bis zu seinem vollendeten 39. Lebensjahr. Vom 31. März des Jahres, an dem er sein 39. Lebensjahr vollendet hatte, bis zur Vollendung des 45. Lebensjahres diente er im Landsturm II. Diese gesamte Regelung gilt für Friedenszeiten, im Krieg findet kein Übertritt vom stehenden Heer zur Landwehr statt.

Weimarer Republik

Mit der Unterzeichnung des Waffenstillstands von Compiègne am 11. November 1918 hatte die Regierung der zügigen Räumung der besetzten Gebiete zugestimmt. Bereits am 12. November begann der Rückzug an der Westfront, bis zum 17. Januar 1919 waren auch die linksrheinischen Gebiete frei von deutschem Militär. Nun galt es, diese immer noch mehrere Millionen Soldaten zählenden Verbände der ?Alten Armee? schrittweise abzurüsten. Dies geschah in den zuvor bestimmten Demobilmachungsorten, üblicherweise den jeweiligen Heimatgarnisonen; für die Regimenter mit linksrheinischen Garnisonen wurden Demobilisierungsorte im Innern des Reichs bestimmt. Der Rat der Volksbeauftragten und die Oberste Heeresleitung beabsichtigten, nach der Demobilisierung noch bestehende Truppenteile in ein ''Friedensheer'' zu überführen. Am 19. Januar 1919 erließ die Reichsregierung die ?Vorläufigen Bestimmungen über die Bekleidung des Friedensheeres? im Armeeverordnungsblatt 1919, Nr. 85; die am 6. Februar 1919 zusammengetretene Weimarer Nationalversammlung beschloss aber am 6. März 1919 das ''Gesetz über die Bildung einer vorläufigen Reichswehr''. Es ermächtigte den Reichspräsidenten,

Die Stärke der Marine sollte 20.000 Mann betragen. Deutschland musste 1919 aufgrund des .
Vom 1. Oktober 1919 bis zum 1. April 1920 wurden die Streitkräfte der sogenannten '''Vorläufigen Reichswehr''' in das 200.000 Mann starke ?'''Übergangsheer'''? transformiert. Gleichzeitig entfielen die bisherigen Verbände und Dienststellen der alten Armee. Über den Zwischenschritt von 150.000 Mann im Oktober 1920 wurde bis 1. Januar 1921 die endgültige Heeresstärke von 100.000 Mann erreicht. Damit wurde zum 1. Januar 1921 die Reichswehr formiert, wobei das Wehrgesetz vom 23. März 1921 die näheren Einzelheiten regelte. Gegen den Versailler Vertrag verstieß der parallele Aufbau schwarzer Reichswehrverbände.

Drittes Reich

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<div style="padding:5px; border:1px; border-style:solid;">'''Dauer der Wehrpflicht im Dritten Reich''' (in Lebensjahren)
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Im Herbst 1934 verfügte das Deutsche Reich bereits über 250.000 Soldaten. Geplant war ein Heer von 21 Divisionen im Frieden und 63 Divisionen im Krieg. Im März 1935 waren bereits 21 Divisionen aufgestellt, wenn auch nicht voll einsatzbereit und das Deutsche Reich verfügte über 280.000 Soldaten. Dafür wurden 56.000 Mann der kasernierten Sicherheitspolizei in die Streitkräfte übernommen. Grundlage für die weitere Aufrüstung wurde die bereits am 3. Februar 1933 von Hitler angekündigte und im Reichskonkordat (Juli 1933) berücksichtigte Wiedereinführung der Wehrpflicht mit dem Wehrgesetz vom 21. Mai 1935. Dadurch konnten erstmals in der deutschen Geschichte auch Frauen im Krieg dienstverpflichtet werden. Der Volkssturm unterstand dem Befehlshaber des Ersatzheeres, dem Reichsführer SS Heinrich Himmler. Ihre Aufstellung wurde in ihren Gauen durch die Gauleiter unter zur Hilfenahme von SA, SS, des NSKK und der HJ organisiert.

Deutsche Demokratische Republik

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<div style="padding:5px; border:1px; border-style:solid;">'''Dauer der Wehrpflicht in der Deutschen Demokratischen Republik''' (in Lebensjahren)
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Die Kasernierte Volkspolizei ('''KVP''') war der militärische Beginn in der DDR. Ihre Geschichte begann am 1. Juli 1952, als zunächst die Bereitschaften (Regimenter) der Hauptverwaltung Ausbildung des Ministeriums des Innern der DDR (MdI) in Divisionen der Landstreitkräfte formiert wurden. Der Hauptstab lag anfangs in Berlin-Adlershof (Rudower Chaussee) und ab Juni 1954 in Strausberg. Ihre Gründung erinnert in gewisser Weise an die preußischen Kasernierte Sicherheitspolizei. Am 1. März 1956 erfolgte dann die Gründung der Nationalen Volksarmee. Diese beiden Streitkräfte waren zunächst Freiwilligenverbände und zwar die einzigen auf dem Gebiet des Warschauer Paktes. Dies änderte sich mit dem Gesetz über die allgemeine Wehrpflicht vom 24. Januar 1962. Bei der Nivellierung mit dem Wehrdienstgesetz am 25. März 1982 blieb die Wehrdauer unverändert, allerdings verschärften sich die Pflichten, die den Jugendlichen auferlegt wurden. Besonders wurden die vorbereitenden Maßnahmen auf den Wehrdienst (vgl. §§ 5?17 Wehrdienstgesetz) hier erwähnt. So wurde die Vorbereitung auf den Wehrdienst Bestandteil der Bildung und Erziehung an den allgemeinbildenden Schulen, Einrichtungen der Berufsbildung, Fachschulen, Hochschulen und Universitäten. Der dauerte 18 Monate. Die Wehrpflichtigen konnten vom vollendeten 18. Lebensjahr bis zum 31. Dezember des Jahres, in dem sie das 26. Lebensjahr vollenden, zum Grundwehrdienst einberufen werden. Die Wehrpflicht erstreckte sich vom 19. bis zum 50. Lebensjahr, bei Offizieren bis zum 60. Lebensjahr. Im Verteidigungszustand konnte die Wehrpflicht bis zum 60. Lebensjahr erweitert werden.

Bundesrepublik Deutschland

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<div style="padding:5px; border:1px; border-style:solid;">'''Dauer der Wehrpflicht in der Bundesrepublik Deutschland''' (in Lebensjahren)
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Der Bundesgrenzschutz war mit seinen kasernierten Einheiten ein erster Schritt zur Grenzsicherung und mit rund 10.000 Polizeibeamten ein Baustein zur Gründung der Bundeswehr.

Männliche Personen können mit Vollendung des achtzehnten Lebensjahres auf Grund von GG zum Dienst in den Streitkräften, im Bundesgrenzschutz oder in einem Zivilschutzverband verpflichtet werden.

Tatsächlich wurden nie Wehrpflichtige zum Bundesgrenzschutz oder ins THW (Technisches Hilfswerk), der Zivil- und Katastrophenschutzorganisation der Bundesrepublik Deutschland, einberufen. Jedoch haben viele Wehrpflichtige in diesen Organisationen ihre Dienstpflicht erfüllt.

Die einfachgesetzliche Grundlage für die Wehrpflicht bildet das Wehrpflichtgesetz (WPflG). Gemäß WPflG sind alle männlichen bundesdeutschen Staatsbürger vom vollendeten 18. Lebensjahr an wehrpflichtig. Ausnahmen gelten nach § 11 WPflG u.?a. für ordinierte Geistliche und ?dritte Söhne?, nach § 12 unter anderem für Priesteramtskandidaten.

Die Wehrpflicht endet generell mit Ablauf des Jahres, in dem der Wehrpflichtige das 45. Lebensjahr vollendet, bei Offizieren und Unteroffizieren mit Ablauf des Jahres, in dem sie das 60. Lebensjahr vollenden. Im Spannungs- und Verteidigungsfall endet die Wehrpflicht für alle mit Ablauf des Jahres, in dem der Wehrpflichtige das 60. Lebensjahr vollendet ( WPflG).

Änderungen seit Juli 2011

Ab dem 1. Juli 2011 wird die Pflicht zur Ableistung des Grundwehrdienstes in Deutschland ausgesetzt. Es besteht die Möglichkeit eines freiwilligen Wehrdienstes. Freiwillig Wehrdienstleistende können zwischen 7 und 23 Monaten in der Bundeswehr dienen, davon sind die ersten 6?Monate Probezeit. Zum 1. Juli 2011 begannen erstmals insgesamt 3.375 Männer und 44 Frauen den freiwilligen Wehrdienst. Neben den Freiwilligen sind auch 3.761 Zeitsoldaten eingerückt. Maximal 15.000 Männer und Frauen können sich jährlich bewerben. Freiwillig Wehrdienstleistende erhielten im Jahr 2013 einen Sold von rund 778 bis 1.100?Euro netto pro Monat zuzüglich Sachleistungen (Verpflegung, Unterkunft) in Höhe von 265?Euro.

Arten des Wehrdienstes

Nach des Wehrpflichtgesetzes umfasst der zu leistende Wehrdienst
  1. den Grundwehrdienst ( WPflG)
  2. die Wehrübungen ( WPflG)
  3. die besondere Auslandsverwendung ( WPflG)
  4. den freiwilligen zusätzlichen Wehrdienst im Anschluss an den Grundwehrdienst ( WPflG)
  5. die Hilfeleistung im Innern ( WPflG)
  6. die Hilfeleistung im Ausland ( WPflG)
  7. den unbefristeten Wehrdienst im Spannungs- und Verteidigungsfall ( Nr. 7 WPflG).

Dauer des Wehrdienstes

Grundwehrdienst

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<div style="padding:5px; border:1px; border-style:solid;">'''Dauer von Wehr- und Zivildienst in der Bundesrepublik Deutschland''' (in Monaten)
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Die Dauer des Grundwehrdienstes ( WPflG) variierte in der Vergangenheit auf Grund geänderter Bedrohungsanalysen (1962, 1973, 1990, 2002) oder der Stärke der zur Verfügung stehenden Jahrgänge (1973).

Eine Besonderheit stellte die Dauer des Wehrdienstes für im Jahre 1989 einberufene Wehrpflichtige dar. Erstmals für das dritte Quartal 1989 wurde die Dienstzeit erneut auf 18 Monate heraufgesetzt. Um den davon betroffenen Absolventen des Abiturjahrgangs 1989 nach Beendigung der Wehrdienstzeit einen zeitverlustfreien Übergang in das Studium zum Wintersemester 1990/91 zu ermöglichen, wurde die Einberufung vom Quartalsbeginn 1. Juli um einen Monat auf den 1. Juni vorverlegt. Unter Anrechnung des Erholungsurlaubs sollte damit ein Dienstende mit Ablauf des 31. August 1990 ermöglicht werden. Infolge dieser Regelung verkürzte sich das letzte Schulhalbjahr mit den Abiturprüfungen deutlich um einige Wochen. Die Entwicklung in der DDR führte dann jedoch zu einer Neubewertung der Bedrohungslage. Noch im August 1989 wurde die Dienstzeit für das Einberufungsquartal III/1989 wieder auf 15 Monate abgesenkt. Der Grundwehrdienst der zum 1. Oktober 1989 einberufenen Wehrpflichtigen dauerte dann aufgrund einer im Sommer 1990 beschlossenen Dienstzeitverkürzung letztendlich nur noch 12 Monate.

Der erste Teil des Grundwehrdienstes ist die Grundausbildung (AGA), die drei Monate dauert. Sie beinhaltet unter anderem Themen wie Allgemeine Truppenkunde, Formalausbildung, Schießausbildung, Gefechtsdienst aller Truppen, Selbst- und Kameradenhilfe in Form des Einsatzersthelfers A, Sport und einzelne Themen zur ersten Vorbereitung auf Auslandseinsätze. Dazu gehören auch Märsche, Biwaks und das Überwinden einer Hindernisbahn. Gegen Ende der GA wird das Gelöbnis abgelegt. Die GA endet mit der ?Rekrutenbesichtigung?, einer ein- oder mehrtägigen Prüfung, in der die Rekruten die erworbenen Fähigkeiten nachweisen müssen. Nach erfolgter Ausbildung zum Sicherungs- und Wachsoldaten wird den Absolventen die ''Ausbildungs- und Tätigkeitsnummer (ATN) Sicherungssoldat (Wachausbildung)'' zuerkannt.

Je nach Verwendung schließt sich eine Spezialgrundausbildung z.?B. zum Panzergrenadier, Fallschirmjäger, Stabsdienstsoldat usw. dem Ende der GA an. Dem Soldaten wird am Ende dieser Ausbildung eine weitere ATN (Erstverwendungs-ATN) verliehen, z.?B. Panzergrenadier, Fallschirmjäger, Stabsdienstsoldat usw.

In den verbleibenden Monaten folgt in der Regel die sogenannte ?Vollausbildung?. Hier nehmen die Wehrpflichtigen verschiedenste Aufgaben wahr, beispielsweise Posten im Stabsdienst, als Kraftfahrer oder ähnliches. Verfügen die Wehrpflichtigen über besondere Fähigkeiten (zum Beispiel Fremdsprachenkenntnisse), können sie dementsprechend eingesetzt werden.<ref name="SchneiderhanVerwendung">
</ref>

Wehrübungen

Die Gesamtdauer der möglichen Pflichtwehrübungen ist begrenzt ( WPflG)
  • bei Mannschaften auf höchstens sechs Monate,
  • bei Unteroffizieren auf höchstens neun Monate,
  • bei Offizieren auf höchstens zwölf Monate.

Verpflichten sich Reservisten mindestens 19 oder 33 Tage pro Jahr Reservistendienst zu leisten, erhalten sie nach Erbringen der Voraussetzungen einen Zuschlag zum Sold.

Sogenannte ?Einsatzreservisten? gibt es nicht mehr.

Besondere Auslandsverwendungen

Besondere Auslandsverwendungen ( WPflG) sind befristete Einsätze von Soldaten im Ausland aufgrund eines Beschlusses des Bundestages.

An besonderen Auslandseinsätzen nehmen keine Grundwehrdienstleistenden teil.

Auch Reservisten können während einer Wehrübung an einer besonderen Auslandsverwendung teilnehmen, vorzugsweise solche mit besonderen zivilberuflichen Qualifikationen, wenn sie sich schriftlich dazu bereit erklärt haben und durch die Bundeswehr ausgewählt wurden. Dies ist für jeweils höchstens sieben Monate möglich. Soweit die Dauer drei Monate übersteigt, wirkt das Kreiswehrersatzamt auf die Zustimmung des Arbeitgebers oder der Dienstbehörde hin.

Freiwilliger zusätzlicher Wehrdienst

Im Anschluss an den Grundwehrdienst kann freiwillig zusätzlicher Wehrdienst ( WPflG) bis zu einer Dauer von 17 Monaten (Gesamtdienstzeit 23 Monate) geleistet werden. Damit ist die Bereitschaft zur Teilnahme an besonderen Auslandsverwendungen verknüpft.

Hilfeleistung im Innern

Zu Einsätzen im Rahmen von Hilfeleistungen im Inland sowie dem Schutz Deutschlands und seiner Bürger im Frieden werden Reservisten nur aufgrund freiwilliger Verpflichtung eingesetzt. Einberufungen dafür Beorderter sind auch ohne Fristen möglich.

Wehrdienstverhältnis besonderer Art

Soldaten, auch Reservisten während einer Wehrübung, die während einer besonderen Auslandsverwendung durch einen Unfall oder eine Erkrankung eine gesundheitliche Schädigung erlitten ( EinsatzWVG) bis zum Ende der Schutzfrist. Das Wehrdienstverhältnis besonderer Art endet durch eine Berufung in das Dienstverhältnis eines Berufssoldaten oder auf schriftlichen Antrag des Soldaten.

Außer für Soldaten gilt das Einsatz-Weiterverwendungsgesetz auch für Beamte, Richter und Arbeitnehmer des Bundes sowie für Helfer des Technischen Hilfswerks.

Dienstliche Veranstaltung

Eine Besonderheit sind Dienstliche Veranstaltungen ( Soldatengesetz). Dies sind dienstliche Vorhaben der Streitkräfte mit einer Dauer von einigen Stunden bis zu drei Tagen zur militärischen Aus-, Fort- und Weiterbildung, zu denen Personen, die dienstfähig sind und das 65. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, mit ihrem Einverständnis zugezogen werden können. Sie stehen während dieser Wehrdienstleistung in einem Wehrdienstverhältnis, die Teilnehmer sind also Soldaten mit allen Rechten und Pflichten. Sie erhalten keinen Wehrsold, jedoch können ihnen Fahrtkosten zur An- und Abreise erstattet und unentgeltliche Verpflegung sowie sanitätsdienstliche Versorgung zur Verfügung gestellt werden.

Uniformtrageerlaubnis

Ausgeschiedene Soldaten bzw. Reservisten können eine Uniformtrageerlaubnis (UTE) gemäß (UnifV) beantragen, um zu bestimmten Anlässen (Hochzeit, Empfänge am Volkstrauertag, Verbandsveranstaltungen des Reservistenverbands etc.) Uniform tragen zu dürfen. In diesen Fällen müssen sie jedoch die Kennzeichnung für ehemalige Soldaten anlegen, die bei Heer und Luftwaffe aus einer schwarz-rot-goldenen Kordel an den Schulterklappen/Dienstgradschlaufen bzw. bei der Marine einem goldenen ?R? auf den Schulterklappen bzw. am Jackenärmel besteht.

Schutzbestimmungen

Durch die Ableistung des Wehrdienstes darf keinem Bundesbürger ein Nachteil entstehen.

Während des Grundwehrdienstes oder einer Wehrübung ruht das Arbeitsverhältnis. Das enthält weitere Schutzbestimmungen.

Auch ein Studienplatz ist gesichert. Jeder Schüler kann sich für einen Studienplatz bewerben, obwohl er vorher seinen Dienst ableisten muss. Wird er dann an einer Universität angenommen, so ist ein Studienplatz für ihn bevorzugt frei zu halten. Es ist dann jedoch nicht der Ort des Studierens für ihn zwangsläufig derselbe.

Österreich

Die Dauer des Grundwehrdienstes beim Bundesheer Österreichs wurde mit 1.?Jänner 2006 per Ministerverordnung für alle von acht auf sechs Monate verkürzt (bis dahin wurde je nach Waffengattung der Grundwehrdienst in sechs oder acht Monaten abgeleistet, im ersteren Falle wurde der Rest der Wehrpflicht in Truppenübungen abgeleistet).

Der Grundwehrdienst ist eine der .<ref name="RIS 1" />

In einer am 20. Januar 2013 abgehaltenen Volksbefragung stimmten bei einer Wahlbeteiligung von rund 52 % eine Mehrheit von fast 60 % für die Beibehaltung der Wehrpflicht.

Grundwehrdienst

Die Ausbildung der Grundwehrdiener gliedert sich
  • in eine etwa neunwöchige Basisausbildung 1, zum Herstellen der Überlebensfähigkeit des Soldaten im Einsatz (Qualifikation 1),
  • in eine anschließende etwa siebenwöchige Basisausbildung 2, die Ausbildung zu einer Grundfunktion in der Waffengattung (Qualifikation 2), und
  • in eine etwa zehnwöchige Basisausbildung 3, zur Ausbildung im Organisationselement in der Waffengattung (Qualifikation 3).

Schweiz

In der Schweiz herrscht die allgemeine Militärdienstpflicht für Männer.

Die obligatorische Grundausbildung heißt Rekrutenschule und dauert zwischen 18 und 21 Wochen. Anschließend gibt es alljährlich Wiederholungskurse (WK) (heutige Bezeichnung: Fortbildungsdienste der Truppe (FDT)) von rund drei Wochen, derzeit bis etwa zum 34. Lebensjahr.<ref name="admin.ch 1" /> Die gesamte Dienstleistungszeit für einfache Soldaten dauert 260 Tage.<ref name="admin.ch 2" /> In besonderen Formationen wird die Dienstleistung einzeltageweise geleistet (zum Beispiel im Zentrum für Informations- und Kommunikationsausbildung der Armee (ZIKA)).

Seit 2001 ist es möglich, den Militärdienst als Durchdiener in 300 Tagen an einem Stück abzuleisten. Die darauf folgenden zehn Jahre bleiben die Durchdiener in der Reserve eingeteilt und leisten keine FdT, sondern nur das jährliche obligatorische Schießen.

Der Dienst in der Armee kann aus Gewissensgründen abgelehnt werden. Der Ersatzdienst heißt Zivildienst und dauert eineinhalbmal so lange wie der Militärdienst. Männer, die aus medizinischen Gründen den Militärdienst nicht leisten können, werden vorzeitig dem Zivilschutz zugeteilt. Jene, die keinen Wehr- oder Zivildienst leisten, müssen eine ?Wehrpflichtersatz-Abgabe? bezahlen.

Die Verletzung der Militärdienstpflicht wird von den Organen der Militärjustiz nach den Art. 81 ff. MStG beurteilt.

Schweizer Soldaten behalten nach Beendigung der Grundausbildung ihre militärische Ausrüstung einschließlich Sturmgewehr und bis 2007 auch die Munition (Taschenmunition) zu Hause, um sie sofort für den Kriegsfall ? oder für die jährliche FdT ? bereitzuhaben. Nach kompletter Beendigung des Militärdienstes kann das Gewehr gegen ein Entgelt erworben werden. Ab Oktober 2007 wurde die Taschenmunition nicht mehr ausgegeben. Die ausgegebene Taschenmunition wurde in den Schulen und Kursen zurückgegeben. In 2009 wurde der Einzug der rund 257.000 Blechdosen mit Taschenmunition vollständig abgeschlossen.

Türkei

Der Wehr- bzw. sogenannte Vaterlandsdienst (''vatan hizmeti'') in den Türkischen Streitkräften ist laut Art.?72 der türkischen Verfassung in Verbindung mit Art.?1 des Wehrdienstgesetzes (Gesetz Nr.?1111 vom 21.?Juni 1927) Recht und Pflicht jedes männlichen Staatsbürgers. Die Möglichkeit einer Verweigerung des Militärdienstes aus Gewissens- oder religiösen Gründen ist nicht vorgesehen. Die Türkei hat auf Druck der Europäischen Union mehrfach angekündigt, einen Militärersatzdienst einzuführen, der doppelt so lang sein soll wie der Wehrdienst. Bereits abgeleisteter Wehr- oder Zivildienst, etwa vor einer Einbürgerung, wird seit 1993 mit dem Ministerratsbeschluss Nr.?93/4613 anerkannt.

Nach Art.?2 des Wehrdienstgesetzes beginnt die Wehrpflicht am 1.?Januar des Jahres, in dem in das 20.?Lebensjahr eingetreten wird. Die Wehrpflicht endet mit Beginn des Jahres, in dem das 41.?Lebensjahr beginnt. Geschwister bzw. Kinder von im Dienst getöteten Soldaten sind nicht wehrpflichtig.

Zwischen dem 15.?Juli 2003 bis zum 1.?Januar 2014 dauerte der reguläre Militärdienst für Soldaten ''(er)'' 15 Monate. Für Reserveoffiziersanwärter ''(yedek subay aday?)'' dauert er 12 Monate und für Kurzzeitsoldaten ''(k?sa dönem er)'' 6 Monate.

Für türkische Staatsbürger, die sich länger als drei Jahre (1095 Tage) im Ausland befinden, besteht die Möglichkeit, die Ableistung des Militärdienstes durch Zahlung von Devisen zu vermeiden. Dazu bestimmt der Zusatzartikel 1 des Wehrdienstgesetzes, dass für diese Personen ?ihr aktiver Militärdienst als erfüllt [gilt], wenn sie bis zum Ende des Jahres, in dem sie 38 Jahre alt geworden sind, eine Summe von 10.000 Euro oder eine entsprechende durch einen Bescheid festgelegte Summe in einer anderen Währung zahlen. [?] Der Ministerrat ist ermächtigt, die zu zahlende Summe bis auf die Hälfte zu reduzieren oder bis auf das Doppelte zu erhöhen.?

Aufgrund von Gesetzesänderungen und Reformen in der Türkei wurde der zu leistende Beitrag von 6.000 Euro auf 1.000 Euro herabgesetzt.

Anthropologische Betrachtung

Im modernen Militärdienst sehen einige : ''Militär und Geschlecht in Israel.'' Campus, 2001.</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Hartmut Bühl, Friedrich Vogel (Hrsg.): ''Wehrdienst aus Gewissensgründen. Zur politischen und ethischen Legitimation der Verteidigung''. Mittler, Herford u.?a. 1987, ISBN 3-8132-0268-2.

Quellen

  • Bundesrepublik Deutschland

Weblinks

Einzelnachweise

<references>

<ref name="admin.ch 1"> </ref>

<ref name="admin.ch 2"> </ref>

<ref name="RIS 1">Verlust der Staatsbürgerschaft gemäß .</ref>

</references>